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Ein "Zufall" im Labor legte den Grundstein für EasyMining

Alles begann mit einem Fehler, der sich in Wirklichkeit als eine völlig neue Art der Rückgewinnung von Phosphor aus Asche und Klärschlamm herausstellen sollte. Als der heutige Leiter für Forschung und Entwicklung bei EasyMining, Yariv Cohen, über die Rückgewinnung von Phosphor promovierte, kam er eines Morgens ins Labor und stellte fest, dass das System mit Kristallen verstopft war. Es stellte sich heraus, dass es sich um reine Kristalle des Monoammoniumphosphats handelte, und diese Entdeckung bildete die Grundlage für das erste, bahnbrechende CleanMAP-Patent von EasyMining.

24 Jun 2020

Yariv Cohen hat an der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften (SLU) in Uppsala  auf dem Gebiet der Phosphorrückgewinnung aus Asche und Klärschlamm promoviert. Im Rahmen dessen führte er Versuche zur Auflösung von Phosphor durch und hatte dafür Geräte im Labor aufgebaut. Als er eines Morgens ins Labor kam, war das System mit weißen Kristallen verstopft.

„Zuerst dachte ich, dass es sich um einen Fehler handelte, aber dann begann ich, die Kristalle zu analysieren und entdeckte, dass es reine MAP-Kristalle (nicht zu verwechseln mit Struvit, welches auch häufif MAP genannt wird) waren. Dieser vermeintliche Fehler brachte uns zum Umdenken. Wir haben dann viel Arbeit darauf verwendet zu verstehen, was passiert ist, und das daraus entstandene Wissen zu nutzen, um ein neues System zu entwerfen“, erklärt Yariv Cohen.

Bahnbrechendes Patent

Nach Yariv Cohens Promotion an der SLU im Jahr 2002 stellte sein Doktorvater den Kontakt zu Patrik Enfält her, der sich zu dieser Zeit mit der Entwicklung von Innovationen und der Unterstützung von Forschern bei der Vermarktung beschäftigte. Sie begannen eine Zusammenarbeit rund um Cohens Zufallsentdeckung, die schließlich zum CleanMAP-Patent führte.

„Als die erste CleanMAP-Innovation 2006 auf den Markt kam, war dies eine völlig neue Art, einen reinen, rückgewonnenen Phosphordünger auf energieeffiziente Weise herzustellen. In diesem Verfahren wird Ammoniumphosphat, der Phosphordünger mit der weltweit höchsten Produktion, hergestellt“, sagt Patrik Enfält.

Innovationen entscheidend für Kreislaufwirtschaft

Die Vermarktung des Verfahrens war ein natürlicher Schritt, und 2007 gründeten Enfält und Cohen mit anderen die Firma EasyMining.  Der Recyclingkonzern Ragn-Sells stieg 2010 als Finanzierer ein und erwarb 2014 schließlich das gesamte Unternehmen, das in der Folgezeit gewachsen ist. Der Unternehmenssitz befindet sich nach wie vor in Uppsala, wo EasyMining sowohl ein Labor als auch eine Pilotanlage besitzt. Weitere Geschäftsbereiche befinden sich in Göteborg und Berlin.

– Unsere Arbeit beinhaltet die Entwicklung von Expertise, um neue Innovationen aus dem Labor in die großtechnische Produktion bringen zu können. Wir können dieses Wissen auf mehrere verschiedene Materialien anwenden, und unser Fokus liegt dabei auf Abfall. Mithilfe der fortschrittlichen Technologie von EasyMining lassen sich wichtige Materialien aus Abfällen gewinnen. Dies bietet enormes Potenzial für die Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft“, erklärt Cohen.

Im Labor wurde die Grundlage für das erste wegweisende Clean-MAP-Patent von EasyMining entdeckt.


Arbeit an neuen Projekten

EasyMining besitzt neben CleanMAP noch viele weitere Patente. Ash2Phos ist eine Rückgewinnungstechnologie, die aus einer Reihe von Patenten besteht, mit denen Phosphor und Metalle aus Asche rückgewonnen werden. Ash2Salt wird zum Aufbereiten von Flugasche genutzt, um damit drei verschiedene Salze in kommerzieller Qualität zu extrahieren. Beim Projekt N wird Stickstoff durch ein chemisches Verfahren aus Abwasser oder Prozesswasser extrahiert und anschließend zu Dünger verarbeitet.

„Wir arbeiten ständig an neuen Ideen und haben mehrere Pilotprojekte, von denen wir hoffen, dass sie zu neuen Umsetzungsprojekten werden. In der Ideenphase beginnen wir mit einer Schreibtischanalyse, aus der bei Durchführbarkeit eine erweiterte Ideenstudie wird. Wir führen anschließend chemische Tests durch, um herauszufinden, ob es funktioniert, bevor wir eine Finanzierung für das Labor suchen und schließlich ins Upscaling gehen“, sagt Patrik Enfält.